Die Anfänge der gotischen Kirche
Die Entstehung der Kirche wurde lange nur grob zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert angesetzt. Neuere Forschungen nennen das Jahr 1288, in dem das Gotteshaus erstmals urkundlich erscheint: Damals erhielten die Zisterzienserinnen das Patronatsrecht über die Wolliner Kirchen St. Nikolai und St. Georg. 1343 übernahm der Stadtrat per Vereinbarung das Patronat über mehrere Altäre samt dem Recht, an ihnen Messen lesen zu lassen.
Gebaut wurde in Etappen. Vor 1343 entstanden die beiden kürzeren Ostjoche, noch im 14. Jahrhundert folgten drei weitere. Fachleute sehen Parallelen zur Marienkirche in Greifswald, während die Pseudobasilika-Anlage an den Dom in Gorzów und die Kirche in Pyrzyce erinnert. Ursprünglich überspannten Kreuzrippengewölbe den Innenraum; nur im östlichen Joch des Mittelschiffs gab es ein Gewölbe mit Dreistrahlen. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche – vermutlich wegen nachgebenden Baugrunds – umgebaut.
Reformation und Bugenhagen
1535 wurde die Kirche lutherisch. Ihr erster evangelischer Pfarrer war Johann Bugenhagen, ein gebürtiger Wolliner. Die polnische Wikipedia bezeichnet ihn als Schüler Martin Luthers, das Pfarrerverzeichnis von Hans Moderow dagegen als Vetter des berühmten gleichnamigen Reformators. Nach 1560 übernahmen die Stettiner Herzöge die Fürsorge für die Kirche.
Der Brand von 1628 und der barocke Wiederaufbau
Im Dreißigjährigen Krieg fiel die Kirche 1628 dem großen Stadtbrand zum Opfer. Laut Kollektenbuch spendeten der kaiserliche Oberbefehlshaber Johann Tilly und seine Offiziere große Summen für den Wiederaufbau, der sich fast hundert Jahre hinzog. Der Turm erhielt einen barocken Abschluss mit durchbrochener Haube; ein Chronogramm in einem unvollständigen Distichon an seiner Innenseite verwies auf das Jahr 1682, in dem der Turm weitgehend erneuert wurde. 1704 war die Nordfassade fertig.
Im Inneren verzichtete man auf die Gewölbe, senkte das Mittelschiff ab und zog über den Seitenschiffen Emporen ein – der Raum bekam so barocken Charakter. Hinzu kam reiche Ausstattung: eine spätrenaissancezeitliche Kanzel von 1637, u. a. gestiftet von Anna Sophia Barkow, der Frau des Bürgermeisters, und ein prächtiger Hochaltar, für den der Bürger Joachim Wolter und seine Frau 1668 testamentarisch 404 Gulden bestimmten. 1630 kam ein geschmiedeter eiserner Kanzelleuchter mit Szenen von Sündenfall, Kreuzigung und Auferstehung hinzu. Im Kirchenraum lagen Grabplatten Wolliner Bürger, darunter die Schieferplatte für die Kinder des schwedischen Generals Niels Kagg mit den Wappen der Familien Kagg und Bonde.
Neugotische Umbauten im 19. Jahrhundert
Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bau in sehr schlechtem Zustand – ein Bericht von 1857 spricht vom beginnenden Verfall. Die 1860 begonnene Instandsetzung nahm auf die alten Formen keine Rücksicht: Die Seitenschiffwände wurden abgerissen und durch neue neugotische aus Fabrikziegeln ersetzt, die Ostwand teilweise neu aufgemauert und das Ganze „regotisiert“. 1879 erneuerte man das dritte Turmgeschoss samt Abschluss. 1898 wurde der beschädigte obere Teil des Ostgiebels abgetragen und diesmal in Anlehnung an die alten Formen wieder aufgebaut; dabei entfernte man den sogenannten Klingeturm und gab dem Giebel eine einheitliche Staffelform.
Kriegszerstörung
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer getroffen. Dach und Decken des Langhauses stürzten ein, Turminneres und Turmhelm wurden zerstört, ein Teil des Ostgiebels und fast alle Pfeiler des Südschiffs brachen zusammen. Jahrelang hieß es, die Kirche sei zu 80 Prozent zerstört, der Woiwodschaftskonservator schätzte den Schaden 1945 jedoch auf etwa 50 Prozent. Da der Bau bis Anfang der 1950er Jahre ungesichert blieb, verschlechterte sich sein Zustand rasch, und man begann den Abriss weiterer Mauern vorzuschlagen.
1952–1953 bemühte sich die Kurie in Gorzów Wielkopolski um Mittel zur Rettung der Kirche. Nach dem politischen Tauwetter von 1956 gab der Staat 73 Sakralbauten an die Kirche zurück – den in Wollin jedoch nicht. 1959 wurde das Gotteshaus ins Denkmalregister eingetragen. Mitte der 1960er Jahre kam die Idee auf, darin einen Veranstaltungssaal mit Bühne einzurichten und im wiederaufgebauten Turm einen Aussichtspunkt, einen Souvenirkiosk, ein Büro des Touristenverbands PTTK und ein Heimatmuseum; verwirklicht wurde der Plan nicht. 1960–1961 wurde die Ruine teilweise enttrümmert, im selben Jahrzehnt ordneten die Behörden den Abbruch eines Teils der Mauern an. Damals verschwanden auch die Reste der Wolliner Georgskirche.
„Dauerhafte Ruine“ und Aussichtsturm
1968 legte der Architekt Łopaciński ein Konzept zur Sicherung der Kirche als dauerhafte Ruine in zwei Varianten vor: Die erste sah vor, die ältesten Mauern – Turm, Ostwand und Pfeiler mit Arkaden – zu erhalten und die neugotischen Seitenschiffwände abzutragen, die zweite, das Ganze mit einem Flachdach zu decken. Gewählt wurde die erste Variante. Die technische Dokumentation erstellte 1971–1972 die Architekturabteilung der Technischen Universität Warschau; dennoch wurde 1972 ohne Begründung ein gut erhaltenes Stück der Seitenschiffwand abgerissen.
Erst 1973 einigte man sich darauf, dass der mittlere Teil der Ostwand, die Pfeiler mit Arkaden und der Turm die wertvollsten Teile der Ruine seien. Die freistehenden Pfeiler wurden verankert, in die Nordwand Stahlzuganker eingebaut, Mauerlücken geschlossen, ein Stahlbetonkranz gegossen und der Turm mit Stahlbetondecken gesichert. Nach dem Projekt „Aussichtsterrasse auf dem Turm“ von 1974 wurde der Turm 1978 als Aussichtspunkt wiederhergestellt. 1980 erhielt die Denkmalkarte den Vermerk „dauerhafte Ruine“.
Wiederaufbau 1988–1998
Die Vorbereitungen für einen vollständigen Wiederaufbau begann Pfarrer Andrzej Majewicz. Die Arbeiten setzten 1988 ein, als die Ruine der Pfarrei St. Stanislaus übergeben wurde, und dauerten bis 1998. Den Entwurf erarbeitete der Architekt Janusz Nekanda-Trepka; zum Kreis der Autoren gehörte auch Pfarrer Jan Uberman. Am 15. Oktober 2000 wurde die Kirche geweiht, am 6. Dezember desselben Jahres verlegte die Pfarrei ihren Sitz hierher und nahm das Patrozinium St. Nikolaus an. 2009 kamen Glasfenster mit der Heilsgeschichte hinzu, entworfen von Janusz Sobczyk und in seiner Werkstatt Ars Antiqua gefertigt.
Architektur und Innenraum
Die heutige Stiftskirche ist eine dreischiffige Backsteinhalle in Form einer Pseudobasilika auf rechteckigem Grundriss, abgeschlossen von zwei mit Blenden verzierten Giebeln. Im Westen steht ein quadratischer Turm mit Haubendach. Über dem Westeingang und entlang der Wände verläuft eine Empore, im Chor füllen Glasfenster zwei große Fenster. Zur heutigen Ausstattung gehören ein Bild des Kirchenpatrons St. Nikolaus, Kopien der Gnadenbilder der Schwarzen Madonna von Częstochowa und der Muttergottes vom Tor der Morgenröte in Vilnius, ein Bild des Barmherzigen Jesus, eine Fatima-Madonna, ein Kreuzweg in Flachrelief und ein hölzernes Taufbecken.
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